Dienstag, 17. Februar 2015

All is full of Love

Fast hätte ich es überhört. Das Wort fiel auch nur ein einziges Mal in der achtstündigen Sondersitzung des Universe of Hybris.

UoH erklären sich die Welt

Wie immer, um die Jahreswende, kommt es zu einem fruchtbaren Zusammentreffen weit verstreuter Sympathisanten des UoH. Die Gesprächsreihen finden im luxurösen Landhaus von Tony Lamento statt, der ja in der Zwischenzeit zu einem erfolgreichen Unternehmer geworden ist. Wenn sie der Ruf des Schweinehirten ereilt, lässt die Gemeinde ihre gewohnten Aktivitäten ruhen und pilgert aus allen Himmelsrichtungen ins Hauptquartier des UoH. Statt Weihrauch und Myrrhe bringen sie Alkohol und Zigaretten, hastig gepackt, in billigen und übel beleumundeten Plastiksackerln. Trinkend und rauchend wird auch die Nacht bestritten. Nur die körperliche Erschöpfung erzwingt den Rückzug aus dem Konferenzraum.

Bevor die zersetzende Wirkung des Alkohols, den als Ausklang gedachten Liederzyklus ( eine, auf Publikumswunsch neu hinzugekommene Kategorie ) zum vorzeitigen Einsturz brachte, gab es heftige Schlagabtausche in den einzelnen Debatten der angebotenen Workshops. Obwohl ich mich schon beim Thema "Religion" auf abschüssiges Gelände begab und prompt mit "Houellebecq" abrutschte, stemmte ich mich im Arbeitskreis "Richtig Reisen" erneut mit einer Bemerkung gegen den "mainigen" Strom. Es schien mir absurd die Strapazen einer Reise auf sich zu nehmen, nur um irgendwo persönlich anwesend zu sein. Welcher Grund veranlasst den Wunsch, vor Ort, die Artefakte oder Naturphänomene zu betrachten? Warum, dabei fasste ich Ulan in den Blick, fährst du nach München, in die Pinakothek? Und nun kam, nach kurzer Überlegung und auch etwas verhalten, dieses Wort: Liebe. In der weiteren Diskussion ging es sofort wieder verloren, wurde auch nicht mehr aufgegriffen, aber merkwürdigerweise blieb es aufdringlich in meiner Erinnerung und beschäftigte mich noch Tage später. Gemeint war ja nicht die Liebe zur Pinakothek, sondern dieses zwischenmenschliche Phänomen, welches die Geworfenheit in diese Welt, um vieles erträglicher macht. "All is full of Love", singt schon Björk und dieser übermäßige Einsatz des Wortes Liebe lässt mich in der Regel argwöhnisch und kaltschnäuzig werden. Aber es war etwas anderes, es war die Art und Weise, wie es auf den Tisch kam und mich nachdenklich machte.

Die Aufarbeitung dauerte, aber sie kam.
Es war dann meine Frau, die mich bat einen Film auszuwählen, der ohne Tschin Bumm, Waffen, Explosionen, Gewaltexzessen und Herbirnereien auskommt, daher wählte ich unentschlossen das Regiedepüt von Philip Seymour Hoffman aus dem Jahr 2010: Jack in Love, OF: Jack goes boating.



Hoffman, der am 2.2.2014 an einer Überdosierung eines Drogencoctails verstarb, verfilmte ein Off-Broadway Stück, in dem er einst selbst mitspielte. Es erzählt im  unaufgeregten Ton die  Geschichte zweier New Yorker Paare; von Jack und Conny, wie sie zueinander finden und die von Lucy und Clyde, deren Beziehung sich dazu synchron auflöst. Mit Nachdruck wurde mir der Verlust von Philip Seymour Hoffman deutlich, der in der Darstellung des Jack einen schauspielerischen Parforceritt vollführt und in diesem Film zeigt, was für ein schwieriges Unterfangen es in Wirklichkeit ist, sich jemanden anzunähern und zu vertrauen. Unwillkürlich erinnert er an die längst verdrängte eigene Geschichte der Unzulänglichkeiten, Unsicherheiten und dieser unerträglichen Verletzlichkeit. Diese Ausgeliefertheit zeigt Hoffman sehr eindringlich, wenn Jack im Hallenbad mit Badehaube und Schwimmbrille das Schwimmen lernt. Ängstlich und völlig hilflos, mit seinem weissen massigen Körper und rot geflecktem Gesicht, setzt er sich schutzlos unserem Blick aus.

Und hier schließt sich der Kreis. Es war dieser kurze, scheue Blick mit dem Ulan das Wort "Liebe" aussprach. Für einen Sekundenbruchteil erfasste ich das Fehlen jeglicher Ironie und Abgeklärtheit. Aber nicht Naivität schwingte mit, sondern eine ungewöhnliche Bestimmtheit. Eine "petite perception", wie Leibnitz sagen würde, die feine Haarrisse in meiner Abwehr verursachte und die dann Hoffman endgüldig aufsprengte.

Vielen Dank auch, denn Dank dieser plötzlichen Feinfühligkeit überhörte ich nicht das wunderbare "Peace piece", von Bill Evans, das den Nachspann begleitete.







Freitag, 24. Oktober 2014

Freitag, 26. September 2014

Gütesiegel - Qualitätszertifikat


Endlich ist es da! Das Universe-of-Hybris-Zertifikat für Kulturgüter. Nach langer Projektdauer, in der unzählige Stunden damit verbracht worden sind, die Kriterien zu bestimmen, mit denen unser Gütesiegel in Verbindung gebracht werden darf, ist es nun vollbracht.



Die Vergabe des UoH-Qualitätszertifikat wird von unabhängigen Stellen durchgeführt und ist semi-transparent. Der Vergabeprozess orientiert sich am von Herodot beschriebenen Prüfverfahren der alten Perser:

"Wenn sie stark trinken, pflegen sie die wichtigsten Dinge in Beratschlagung zu ziehen; was ihnen aber in dieser Beratschlagung gefällt, das trägt ihnen des folgenden Tages der Herr des Hauses, in welchem sie sich miteinander bereden, wieder vor. Gefällt es ihnen alsdann auch noch, wenn sie nüchtern sind, so richten sie sich darnach; gefällt es ihnen nicht, so lassen sie es gehen. Was sie aber nüchtern vorher beratschlagt haben, das untersuchen sie bei dem Trunke von neuem."
 

Herodot, ca. 450 v. Chr., Von den Persern weiß ich.

So ist vor allem garantiert, dass die Zertifikatsvergabe einer permanenten Reflexionsschleife zugeführt ist, in der auch eine Aberkennung denkbar ist.

Das Gütesiegel garantiert folgende Kriterien:

Kein hochgestochener Scheiß
 

Irgendwas nachvollziehbares aus der Arbeiterklasse, welches etwas Klarheit schafft und dazu ermuntern soll, die Verhältnisse neu zu überdenken.
 

Sollten uns noch ein paar Kriterien einfallen, werden wir sie hier veröffentlichen.

Dienstag, 23. September 2014

Klassentreffen #2 - Auge um Auge ( Out of the Furnace )



Braddock, Pennsylvania. Eindruckvollster Ort mit Industrieruinen und verlassenen Arbeitersiedlungen, aufgelegt, um den unaufhaltsamen Niedergang des ehemals prosperierenden "Manufacturing Belt" nachzuvollziehen. Dieser Gürtel zog sich entlang der Großen Seen von Chicago über Detroit, Cleveland und Pittsburgh. Die Region um Pittsburgh ( Braddock liegt 9 Meilen entfernt ) spezialisierte sich auf die Stahlproduktion. Mit der Abwanderung der Schwerindustrie ( Bergbau, Eisen- und Stahlindustrie ) in billigproduzierende Länder ab den 60igern, begann die Region zu korrodieren und wurde sinnigerweise Anfang der 70iger Jahre in "Rust-Belt" umbenannt.

Scott Cooper, der mit seinem Regiedepüt " Crazy Hearts", Jeff Bridges zu seinem ersten Oscar verhalf, nahm sich für seinen zweiten Film eine Geschichte aus dem "Blue Collar" Millieu vor. "Blue Collar" ist der blaue Kragen der Arbeitskleidung von Arbeitern. Früher bekannt als "Schlossergwaund" oder "Blaugwandl", heute lässiger Hipsterstyle. Der Ort der Handlung ist Braddock. Originalschauplätze in einem Venedig des Industriezeitalters.






Der deutsche Verleihtitel "Auge um Auge" stellt das Rachemotiv in den Vordergrund. Wahrscheinlich um Besucher zu ködern, da dieser Film sich nur mit Zwang in eine Genre-Schablone einordnen läßt und dann auch noch in den USA floppte. Vielleicht ist es wirklich so banal, dass ein Film, wenn er für die Schublade der Kritiker zu groß ist, als anmaßend und aufgebläht verurteilt wird. Denn über die Kategorie "Thriller" wird ihm auch der Garaus gemacht. Hier fallen die üblichen Wörter wie "langatmig" und "inkonsequent".

Auf die Idee zu kommen, dass sich der Film dem Thrillermotiv nur oberflächlich bedient, um dahinter eine andere, ungleich weitreichendere Geschichte zu erzählen, dürfte vielen Kritikern, wenn nicht entgangen, dann halt überfordert haben. Dieser Film verhandelt, in unglaublich präzisen Szenen, die, im Sog des Untergangs der Schwerindustrie, sich mitauflösende Arbeiterkultur und ihren Ikonen von Männlichkeit.

"Out of the Furnace" ist kein romantisierendes Arbeiterepos. Schonungslos werden die Bilder aufgefächert. Alle Beteiligten wissen wie es steht. Nur, was gibt es sonst? Hoffnung? Als Antwort läßt Cooper in einer Bar den Fernseher im Hintergrund laufen. Ted Kennedy hält gerade eine flammende Rede für die Wahl von Barack Obama, er sei die Hoffnung für ein neues Amerika mit Wohlstand und Arbeit. Wir können es schaffen. Kein einziger in der Bar sah auf oder verändert eine Miene.

Christian Bale wird mit seiner Darstellung des Russell Baze hoch gelobt. Und wahrlich, ich sage euch, hier spielt er sich an die Spitze. Als wäre er in Braddock geboren und am Hochofen groß geworden, legt er die Figur so nuancenreich an, dass einem die Tränen kommen.
Überhaupt hat Cooper beim Personal nicht gespart und bis in die Nebenrollen großartige Darstellung garantiert: Casey Affleck, Woody Harrelson, Sam Shepard, Zoe Saldana, Willem Dafoe und Forest Whitaker.




In einigen Bildern erinnert der Film an Michael Cimino ( kein Wunder, in "The Deer Hunter" sind die Freunde auch Stahlarbeiter aus Pennsylvania ), dem mit "Heavens Gate" großes Unrecht geschah. Aus unerfindlichen Gründen wurde er damals von der Kritik zerrissen und fuhr ein desaströses Minus ein, sodass er für Jahre keine Aufträge mehr bekam. Heute wird "Heavens Gate" als Meisterwerk gesehen. Scott Cooper nimmt sich in "Out of the Furnace" den Dramen der Arbeiterklasse mit Sorgfalt und Einfühlung an. Auch wenn ihm der Erfolg an den Kassen ausblieb, meinen Respekt hat er allemal! Thank You!

Im Soundtrack wurde der Pearl Jam Song "Release" reingenommen:

...jetzt hat mein alter Grooveshark ausgelassen und ich mußte zu youtube um "Release" reinzustellen. Ich bereue es nicht. Ich fand diesen großartigen Trailer.

Samstag, 20. September 2014

Klassentreffen #1 - Sleaford Mods


Wann hattest du Gelegenheit auf die Herkunft aus der Arbeiterklasse stolz zu sein? Wie oft hast du es versucht zu leugnen? Versucht alle Spuren zu beseitigen? Hä? Mit Bourdieu die Ungerechtigkeit beklagt? Den Dialekt versucht auszumerzen?

Laptop, Mikrophon, Bier und Zorn. Gemma, mehr braucht es nicht. Robert Rotifer dürfte es irgendwann mal irgendwo geschrieben haben ( im Netz gibt es unzählige Hinweise ), daß der Britpop so darnieder liegt, weil sich nur mehr die Privatschüler ( Kinder die nicht mit unterpriveligierten Kindern zusammenkommen sollen/wollen, weil sie den Lernerfolg der zukünftigen Elite negativ beeinflußen könnten und deren Schulgeld die Eltern zahlen - sogenannte "upper-class" ) das Equipment für lässige Posen aus den Repertoire von Small Faces, The Who und The Jam vermischt mit ein paar Punk-Attitüden, leisten können. "Mom and Dad, könntet ihr mir eine Gitarre kaufen, damit ich meinen Frust über meine narzistischen Kränkungen in der Hitparade abarbeiten kann?" "Na klar doch, mach es so wie Lily Allen, die darauf noch stolz ist".
2010 sind angeblich 60 Prozent der britischen Charterfolge von Mittelständlern eingenommen worden. Und genauso klingt auch dieses Fadgas. Der Rest der Privatschüler kommentiert die Scheiße als Musikjournalisten, die dem Ganzen noch postmodernen Charme unterjubeln. Die Britpopper waren, zu großen Teilen und - zumindest am Anfang -, Anhänger der Blairschen Labourparty. Oh, welch ein Sündenfall Jarvis Cocker, Gallagher-Brüder und Damon Albarn. Nun, es sei euch nicht verziehen, aber diese Scharte wetzen die neuen Klassensprecher mit links wieder aus.



Andrew Fearn drückt einen Taste auf dem Laptop, geht zurück und wippt zurückgenommen mit einem Bier in der Hand zu den Beats von der Festplatte. Jason Williamson spuckt zornig in das Mikrophon mit einem wundervollen Slang, in dem Fuck nicht mit Fack, sondern als Fock ausgespuckt wird.



Keine Privatschulen in diesen Biographien, sondern Fabrik und Drogen. Der Label-Boss ist hauptberuflich Busfahrer, damit er sich dieses Hobby finanzieren kann. Jeder Song ein Schlag mit dem 5/8er Staffel, sägerauh. Endlich!!!!  
Fock you!

Samstag, 15. Februar 2014

think about the times - eine Erinnerung

Langjährige Aufklärungsarbeit hat nichts gebracht. Daher bin ich gezwungen, in die Halb-Öffentlichkeit zu treten. 
Graham Anthony Barnes wurde 1944 in Nottingham geboren. Bekannt wurde er später als Alwin Lee, britischer Stromgitarrenspieler und Bandleader der legendären Blues-Rock Formation Ten Years after. Zeitgleich mit den Beatles trat er zu Beginn der 60er Jahre mit den Jaymans im Hamburger Star-Club auf, Mit dabei war damals schon Leo Lyons, späterer Bassist der TYA. Außerdem mit von der Partie bei TYA waren Chick Churchill und Ric Lee. 

Dann las Leo in der Zeitung über „Zehn Jahre nach dem Ende der Wehrpflicht in U.K. …“ und Ten Years After war entstanden. (aus: wikipedia)
... so entstehen Bandnamen!

Ihren wohl größten Auftritt hatten sie beim Woodstock Festival, wo sie ihren bis heute bekanntesten Song Going home spielten. Auch heute noch ein Ohren- und Augenschmaus – allen Unkenrufen zum Trotz. Wer sonst kann solche Fratzen beim rotzigen Spiel ziehen? 


Zwischen 1967 und 1989 spielten sie 9 Studioalben ein, ehe sich Alvin von seinen Spielkameraden trennte  um fortan als Solomusiker durch die Welt zu ziehen. Zuletzt lebte er in Spanien, wo er 69-jährig am 6. März 2013 starb. 



Zugegeben, recht experimentierfreudig und innovativ waren die Jungs von Ten Years after nie, aber der Coolnessfaktor war hoch. So wollten wir doch alle mal aussehen, - na ja, einige von uns!


Gradliniger, schnörkelloser Blues-Rock, zugegeben reiner Prolorock, aber immer noch erfrischend, wohltuend und katharsisch.

Zum Abschluss was versöhnliches, auch für jene, die’s ein wenig inspirierter wollen.


... und schöne Balladen kann er auch singen, der Alvin.


Think about the times when you're happy
think about the times when you're sad
Think about the life you're living 
Think about your life and be glad 

So, das musste mal gesagt werden, 30 Jahre nach Wielandsberg!

Samstag, 8. Februar 2014

Die Sehnsucht nach dem ich!

bevor ich mich hier verausgabe und die Entäußerung in arbeit ausartet, soll doch der Kontemplation noch einmal das Wort gesprochen werden.

Die Ausstellung SEHNSUCHT ICH im Essl-Museum versucht die unterschiedlichen Aggregatszustände des Selbst künstlerisch zu erfassen. So sind verschiedene Räume entstanden in denen das Menschenbild in Kinder- und Jugendszenen, in Selbstportraits im Verhältinis zur Gesellschaft, in Körper und Psyche bis hin zu Vergänglichkeit und Auslöschung in all den Spannungsverhältnissen dargestellt wird.


Im Raum der Vergänglichkeit: Jörg Immendorf, Kampf der Zeit

Es spiegelt sehr beeindruckend auch eigene Befindlichkeiten und entlässt mich nach 2 Stunden nachdenklich und versunken in die Realität eines stürmischen Wintertages. 

Um dem ICH nicht ganz hilflos ausgeliefert zu sein, bedarf es dann auch wieder der Zerstreuung.

Kraftwerk spielen ihre Alben im Mai im Burgtheater. Karten sind schon weg, hören kann man den Stoff allemal. 





 

Siehe was dich sieht!

Der „recht spezielle Künstler“ (Begleittext zur Ausstellung) Franz Graf stellt im 21er Haus eine recht eigenwillige Ausstellung aus eigenen Werken und Arbeiten internationaler und nationaler KünstlerInen zusammen. Baustellenartig sind Räume konstruiert, hängen Bilder auf Baugerüsten, die nur vom 1. Stock aus zu betrachten sind. Dieser Rahmen wird eingesetzt, um Strukturen sichtbar zu machen, die ansonsten im Hintergrund bleiben. Die BesucherInnen betreten somit ein Bühne beim Besuch der Ausstellung. 

Damit werden sie zu ProtagonistInnen eines Prozesses der ständigen Anpassung an die (Umwelt-)Bedingungen.


Das macht die Ausstellung auch so spannend. Man spaziert durch die Vorläufigkeit der Baustelle und durch einen bunte Ansammlung an Bildern und Objekten. Der Künstler wird zum Sammler, Archäologen, Dokumentaristen, Forscher und Archivar, der die Fundstücke zu einer eigenen Welt synthetisiert. 

So werden Schallplattencover aus dem ursprünglichen Bedeutungsrahmen genommen, gerahmt und so transformiert. Aus Kunst wird Kunst!



Oben: Nurse with wound: Chance meeting on a Dissecting Table of a Sewing Machine and an Umbrella, 1979.
Unten: Throbbing Gristle: Live at Death Factory, Picturedisc, 1983. 


Throbbing Gristle: See you are (live) 

Spannend auch ein Besucher, der seinen Unmut über die aus seiner Sicht unverständliche und misslungene Anhäufung sinnloser Objekte laut zum Ausdruck brachte und immer wieder auf das Fehlen von „Bildern“, „großen Bildern!“ hinwies, sich jedoch kopfschüttelnd und im ständigen Lamento versunken die Ausstellung vollständig durchwanderte – Respekt!



Frohes Schaffen!


Im Anschluss daran ging’s ins alte Schikaneder-Kino. Ein nostalgischer Ausflug in die 80er, - was das Ambiente des herrlich schmuddeligen und an die Kneipen später Jugendtage erinnernden Lokals und Foyer des Lichtspieltheaters betrifft. Eine Flasche Wieselburger und dann gings in den Film „Frohes Schaffen! Ein Film zur Senkung der Arbeitsmoral“ von  Konstantin Faigle.

Ein durchaus gelungener Semi-Dokufilm, der die Arbeitsmoral in den kapitalistischen Gesellschaften mal augenzwinkernd, mal kritisch hinterfragend zum Objekt der Betrachtung macht.

Neben Franz Schandl und Marianne Gronemeyer kommt auch der Soziologe und Ökonom Jeremy Rifkin zu Wort, der deutlich macht, dass markante Veränderungen in Arbeits- und Erwerbsleben unsere Gesellschaft nachhaltig beeinflusst, von Politik und Wirtschaft jedoch nicht zur Kenntnis genommen wird.

Konkret zeigt Rifkin in seinem Buch Das Ende der Arbeit und ihre Zukunft), dass es durch den Produktivitätszuwachs in den letzten zwei Jahrzehnten zu einem dramatischen Verschwinden von Fabrikarbeitsplätzen gekommen ist. Dies gilt trotz des Wirtschaftswachstums im selben Zeitraum. Anhand weltweiter Wirtschaftsdaten wird gezeigt, dass sich diese Entwicklung in Zukunft in dramatischer Form fortsetzen wird. 
 Der Film versucht darüber hinaus, Utopien von einer Gesellschaft abseits von Wachstum und Gewinnmaximierung zu entwickeln, was zwangsweise etwas verschwommen daherkommt, da es dazu an konkreten politischen Konzepten fehlt und die weichgezeichnete Hippie-Kommunen-Idylle etwas anachronistisch wirkt und an Rondo Pastorale (Franz Josef Degenhardt, Wildledermantelmann, 1977) erinnert.


Dennoch macht der Film wieder bewußt, dass Arbeit nur bedingt der Natur des Menschen entspricht, wir jedoch diese Ideologie bereits verinnerlicht haben.

Gotthold Ephraim Lessing 
Lob der Faulheit
Faulheit, jetzo will ich dir
Auch ein kleines Loblied schenken,
Käm es nur gleich aufs Papier
Ohne lange nachzudenken
Doch, ich will mein bestes tun,
Nach der Arbeit ist gut ruhn.

Höchstes Gut! wer dich nur hat
Dessen ungestörtes Leben
Wird - ich gähn - ich werde matt -
Nu - so - magst Du mir vergebens,
Daß ich dich nicht loben kann;
Du verhinderst mich ja dran.


… and materials and money and crisis

Eine verstörende Ausstellung, die sich weitgehend erst nach der Lektüre der Begleittexte erschließt.

Ein wunderbares Beispiel ist die Arbeit von Prachtaya Phinthong. Daher hier der Begleittext als Faksimile. Erstmals ein Kunstwerk, dass zum Verständnis die Betrachtung desselben gar nicht notwendig macht.


Schwer beeindruckend, insbesondere das entgrenzte Kunstverständnis. Aus meiner Sicht preiserdächtig als hybris-art-of-the-year!

Die Auseinandersetzung der KünsterInnen mit Material im Verhältnis zu Geld und Krise hat diese sparsam kuratierte Ausstellung eindrucksvoll inszeniert.

Die Ausstellung war jedoch nur der Vorlauf für die nachfolgende Diskussionsveranstaltung in der mumok-Lounge.

Die Philosophen Prof. Konrad Paul Liessmann und Prof. Lambert Wiesing parlierten trefflich zum Thema „Gute Kunst – schlechte Kunst“.

Anlass war die Neuausgabe des Standardwerks „Philosophie der modernen Kunst“ von Liessmann. Von Lambert Wiesing erschien 2013 das Buch „Sehen lassen. Die Praxis des Zeigens“. Darin stellt er die Frage, "wer" etwas zeigt, wenn davon die Rede ist, dass ein Bild etwas zeigt. Bilder zeigen nicht schon allein deshalb etwas, weil auf ihnen etwas sichtbar ist.

Ausgehend von der Annahme, dass der moderne Kunstbetrieb darüber bestimmt, was wir als Kunst wahrzunehmen haben, vertritt Wiesing die verblüffend einfache Ansicht, dass schlechte Kunst schlicht langweilig wäre und es folglich nötig hätte, sich des Kunstbegriffs zu bedienen.

Liessmann hingegen bedont den kontextualenPosition moderner Kunst mit den Verweis auf die Ready-mades. Hier beispielsweise das Pissoir von Marcel Duchamps.


Liessmann argumentiert, das moderne Kunst auch deshalb funktionert, weil sie aus dem Gebrauchskontext herausgenommen in einem konstruierten Zusammenhang neu betrachtet und interpretiert werden kann und somit über ihre eigentliche Funktion hinausweist.


Die Künstler sind die einzigen, die wissen, dass sie lügen und daher der Wahrheit näher als die Wissenschaft. 

Mittwoch, 29. Januar 2014

Pete Seeger - He was really ill!

Pete Seeger ist tot. 
Ich lernte ihn - akustisch - vor knapp 40 Jahren kennen, als ich von meinem damaligen Nachbarn und Mäzen in Sachen Musik ein Doppelalbum “The best of American Folk” geschenkt bekam. Darauf waren Folkgrößen wie Peter, Paul & Mary, The Seekers, The Kingston Trio, Odetta und auch Pete Seeger & the Weavers zu finden. 

Mein Nachbar gab das Album wohl ab, weil er sich dem traditionellem Folk mit seinen schönen Liedern und dem heimeligen Pathos wohl schon entwachsen wähnte und ich, als gelehriger Schüler, diesen Weg noch zu beschreiten hätte, bevor ich in die erste Liga aufsteigen darf, die da Bob Dylan heiß oder der erst spät von mir entdeckte Phil Ochs. 

Aber zurück zu Pete Seeger. Der politische Aktivist und musikalische Begleiter der amerikanischen Bürgerrechts- und Gewerkschaftsbewegung war nach meiner glücklich bestandenen „Folkphase“ schließlich die Person, die mir weniger als Musiker in Erinnerung blieb, sondern vielmehr als ein Mann mit Haltung, der durch sein Verständnis von Herrschaftsfreiheit wohl auch Ehrenmitglied im universe sein könnte. 

Seeger engagierte sich im spanischen Bürgerkrieg für die republikanischen Kräfte und nahm 1943 ein Album mit dem Titel „Songs fort he Lincon-Battaillons“ auf.

Hier die akustische Aufnahme von Jarama valley mit Pete Seeger.


Das Lied, basiert auf dem Gedicht „Tal von Jarama“ von Alex McDade (1905-1937). (Alex McDade war ein schottischer Arbeiter, der als Spanienkämpfer in der Schlacht von Jarama im Februar 1937 verwunden wurde und fiel in der Schlacht von Brunete am 6. Juli 1937.)
Die Schlacht von Jarama fand vom 6. bis 27. Februar 1937 nur wenige Kilometer östlich von Madrid statt. 

Einheiten der nationalistischen Armee unter Franco standen der spanischen Fremdenlegion, marokkanischen Truppen, der republikanischen Armee und den internationalen Brigaden gegenüber. 


In der Näher der Anhöhe von Pingarrón, wo das Gefecht um den Suicide hill stattfand, befindet sich zu Ehren der 600 Gefallenen des britischen Bataillons der internationalen Brigade Lincoln/Washington ein Denkmal. 


there's a valley in spain called Jarama
its a place that we all know so well
it was there that we fought against the fascists
we saw a peacful valey turn to hell

from this valley they say we are going
but dont hasten to bid us adue
even though we lost the battle at jarama
we'll set this valley free before we're through

we were men of a laken battelion
we're proud of the fight that we made
we know that you people love the valley
we're remember a laken vrigade

from this valley they say we are going
but dont hasten to bid us adue
even though we lost the battle at jarama
we'll set this valley free before we're through

you will never find peace with these fascists
you'll never find friends such as we
so remember that valley iof jarama
and the people that'll set that valley free

from this valley they say we are going
but dont hasten to bid us adue
even though we lost the battle at jarama
we'll set this valley free before we're through

all this world is like this valley called jarama
so green and so bright and so fair
no fascists can dwell in our valley
nor breathe in our new freedoms air

from this valley they say we are going
but dont hasten to bid us adue
even though we lost the battle at jarama
we'll set this valley free before we're through 



So schließt sich der Kreis vom spanischen Bürgerkrieg zu Pete Seeger.

R.I.P.!


Montag, 27. Januar 2014

Angekommen!?

Tatsächlich eine lange Absenz. Die Frage nach dem warum lässt sich so – oder natürlich auch anders  – beantworten. Ich bin der Welt im letzten Jahr ein wenig abhanden gekommen, - oder im Jahr 2013 erst gar nicht angekommen!?.

Den Jetlag vom Rückflug von New York im Februar wurde nicht bewältigt und hielt sich beharrlich  das ganze Jahr über als seltsames Gefühl des (noch) nicht-angekommen-seins.  

Es waren jedoch auch die Fragen nach den Bedingungen des Menschseins, wie sie Adorno in seinen Reflexionen aus dem beschädigten Leben beschrieb, die die Person blass blieben ließ.

Diese Blässe konnte jedoch auch dafür genützt werden, abseits von sozialen Gefügen die Suche nach der (verlorenenen?) 1. Natur anzustrengen. Erst im fragilen Zustand des beinahe-Vorhandenseins ist es mir möglich, jene Zustände zu reflektieren, die sonst hinter der streng konturierten und undurchlässigen Hülle der „Uneigentlichkeit“ verborgen bleiben.

Danke für den Beitrag „Before you slip …“!

Anlass genug, die selbstgewählte mediale Absenz zu beenden.

Der angesprochene hybride Raum ohne Herrschaft wurde eingenommen von Ideologie und Verblendung kulturindustrieller Sirenengesänge und hybrisinterner Nachlässigkeit. Die Aufmerksamkeit auf prinzipielle (Selbst-)Reflexionen wich erschöpfungsbedingten Banalitäten.

[…] weil das Osterfest der Juden nahe bevorstand, zog Jesus nach Jerusalem hinauf. Er fand dort im Tempel die Verkäufer von Rindern, Schafen und Tauben und die Geldwechsler sitzen. Da flocht er sich eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle samt ihren Schafen und Rindern aus dem Tempel hinaus, verschüttete den Wechslern das Geld und stieß ihre Tische um und rief den Taubenhändlern zu: ‚Schafft das weg von hier! Macht das Haus meines Vaters nicht zu einem Kaufhause!‘
Die Heilsbotschaft nach Johannes‘ 2,13-16.




In diesem Sinne werden wir unseren Raum wieder reinigen, durchlüften und (wieder-)eröffnen.

Die Voraussetzungen dafür sind neben der wachen Aufmerksamkeit auch der radikale Respekt des Lebensentwurfes des Anderen (ich weiß schon, dass kann mitunter schwierig sein) und eine hohe Qualität der Kommunikation, die vereinbarter Regeln bedarf.

Herrschaftsfreiheit bedeutet letztlich auch die Anerkennung des Vorläufigen!

Trotz mentaler Abwesenheit ist ein Film in Erinnerung geblieben: Searching for Sugar Man. Erschienen im Jahr 2012, gesehen jedoch erst 2013. Gemacht von Malik Bendjelloul. Ein Dokumentarfilm, der die Suche zweier südafrikanischer Musikfans nach dem amerikanischen Musiker Sixto Rodriguez erzählt.  




I wonder how many times you've been had
And I wonder how many plans have gone bad
I wonder how many times you had sex
I wonder do you know who'll be next
I wonder l wonder wonder I do

Eine andere sympathische Figur der Kunstszene kam mir beim Zappen unter die Augen: 
Wolfgang Flatz. 

Die Kunst-Projekte von Wolfgang Flatz sind provozierend und schräg. Durch die Provokation, so Flatz, soll beim Kunstbetrachter die Wahrnehmung verstärkt werden, um so der menschlichen Teilnahmslosigkeit entgegenzuwirken. 




Samstag, 25. Januar 2014

Before you slip into unconsciousness...

Vor vielen Jahren, als uns die Frage nach der Umsetzung eines richtigen Leben im falschen, noch herumtrieb, konzipierte das Universe of Hybris den "Herrschaftsfreien Raum". Es war uns aufgefallen, dass selbst im vertrauten Bereich, die unsäglichen Muster des Marktes Einzug hielten. Die unreflektierten Bedingungen aus unserem Alltag spielten in die Beziehungsgestaltung hinein und verursachten Haltungs- und Denkblockaden. Wir mussten jedesmal neu errichtete Positionen von Zynismus, Sarkasmus, Besserwissen, Abgeklärtheit und Vorurteilen - kurz: Konkurrenz - mühsam abbauen, um in einen halbwegs authentischen Moment zu kommen, der den radikalen Respekt für die unterschiedlichen Lebensentwürfe garantierte.

Dahinter steht nichts geringeres, als das eigentliche Bedürfnis, sich unverstellt, und sei es auch in seiner Verzweiflung, Angst, Unbeholfenheit und Unvollkommenheit zeigen zu können.

So, das lass ich einmal setzen.
Wie im "Herrschaftfreien Raum" üblich, zwischendurch etwas Musik. Einige Höhepunkte aus dem vergangenen Jahr 2013.

Terrence  Thornton alias Pusha T. ist bei "GOOD Music", dem Label von Kanye West, unter Vertrag. Voriges Jahr brachte er sein erstes Solo-Album "My Name Is My Name" heraus. Ein überaus gelungenes Album, urteilt das UoH.


Das "Barcode Cover" ist leider keine Hommage an mich, der vor 12 Jahren die gleiche Idee als Einladung für eine Ausstellung hatte. Mein ausgelesener Barcode lautete damals "hybrid" und war der Grundstein für das "Universe of Hybris". Die Quersumme von Pusha T´s Code ergibt sein Alter und ein QR-Code Scan liefert das Cover als Bilddatei. Egal, wir teilen zumindest die gleiche Einschätzung: Der Barcode zählt zu den faszinierendsten Symbolen des 21. Jahrhunderts.

Kanye West spendet First-Aid-Autotune-Trost und Pusha T. und Rick Ross stellen klar, was sie unter dem Begriff Loyalität verstehen: HOLD ON

Hold On (feat. Rick Ross & Kanye West) by Pusha T on Grooveshark

If you slipping you fall, I got you, my nigga, hold on
If you right or you wrong, if you riding come on
By the end of this song, I got you, my nigga, hold on


 Zurück zum "Herrschaftsfreien Raum", zum "Richtigen Leben im falschen". In der ersten Fassung von Adorno`s Minima Moralia, soll der Satz vom richtigen Leben ursprünglich: "Es läßt sich privat nicht mehr richtig leben" geheißen haben. Hier bringt er das Problem präzise auf den Punkt.

Der Raum, den das Universe of Hybris errichten wollte, war eine Konstruktion, um sich aus der sinnentleerten, verdinglichenden zweiten Natur, und sei es nur für einen Augenblick, zu befreien. Es war der Versuch "Privatheit" zu leben. Im Sinne der Situationisten versuchten wir eine Situation zu generieren, in der das Erstarrte wieder flüssig wird.

Ein weiteres wunderbares Mixtape-Album legte Chancelor Bennet alias Chance the Rapper vor: ACID RAP. "Everything´s Good":

Everything's Good (Good Ass Outro) by Chance The Rapper on Grooveshark




Eine habe ich noch: Chance the Rapper - Lost

Lost (feat. Noname Gypsy) by Chance The Rapper on Grooveshark

Nun gut, was ich eigentlich sagen wollte, ist, dass das Universe of Hybris diesen "Herrschaftsfreien Raum" mangels Alternativen wieder reaktiviert.

Dieser DJ ist mit Abstand der Meister des "Weird". DJ Koze mit seinem Album "Amygdala".




 

Sonntag, 8. Dezember 2013

Die inverse Avantgarde

 

Heute, am 8. Dezember 1943, wurde Jim Morrison geboren. Er wäre heute 70 Jahre alt geworden. Ich lese die Nachricht und schaue auf. Die Erinnerung an das Idol der frühen Zeit, legt mir einen Satz sentimentaler Bilder vor Augen: Im güldenen Lichte versuchten wir damals durchzubrechen, auf die andere Seite, fühlten den Drang und den Willen zur Freiheit, suchten jede Gelegenheit zur Grenzüberschreitung, nur um es ihm gleich zu tun. Ihm, dem Meister dunkler, geheimnisvoller Lyrik, deren Deutungen uns zu Mitwissenden erhöhte. Wenn wir uns auf den Scheißhäusern und Straßengräben die Seele aus dem Leib kotzten, wußten wir durch ihn, dass der Weg zur Freiheit kein Kindergeburtstag ist: No one here gets out alive!

Jim Morrison war für uns aber nur mehr ein Echo aus den mythischen Sixties. Er war bereits seit 8 Jahren tot. Ende der 70iger Jahre kam er zu uns als quasi Wiederauferstehung für die zweite Verwertungswelle. Wir waren mürbe. Die Musikindustrie überschwemmte uns mit K-tel´s Best of Samplern und wir spürten bereits das "No Future".  Jim Morrison traf uns in einem Zustand schwerer Melancholie und tiefer Sehnsucht nach Möglichkeiten und Orientierung an. Er versprach uns kein Love and Peace, sondern ein Spiel mit dem Feuer. Die Musik von den Doors erweckte zumindest ansatzweise ein Gefühl von "Dissidenz". Wir waren bereit.

Wahrscheinlich "entdeckte" ich Jim Morrison durch ein anderes Medium. 1979 kam "Apocalypse Now" in die Kinos. In einer der besten Eröffnungssequenzen der Filmgeschichte, kommt aus der schwarzen Leinwand ein bedrohliches, flappendes Geräusch näher. Dann entfaltet sich ein Bild, von im Wind sanft wiegenden Palmen. Ein Urwald. Das rotierende Geräusch kreist hinten herum und zieht einen förmlich in die Szene. Es visualisiert sich als Hubschrauber, der das Bild von links nach rechts durchquert. Oranger Rauch steigt auf und die Doors beginnen mit dem zögerlichen Percussions- und Gitarrenintro von "The End". Nach dem zweiten Hubschrauber, von dem nur mehr die Kufen zu sehen sind, explodiert der Dschungel in rot-orangen Flammenblumen, von denen sich die Palmen im Vordergrund schwarz absetzen. Ein Bild von absurder Schönheit in das Jim Morrison einsetzt:

 "...This is the end, beautiful friend, this is the end, my only friend, the end, of our elaborate plans, the end, of everything that stands, the end, no safety or surprise, the end..."

Gleichzeitig hat sich das Bild verändert. In der vom Rauch geschwärzten Leinwand züngeln Flammen und Helicopter schwirren aufgeregt herum. Aus dieser apokalyptischen Szene taucht in einer Überblendung das Gesicht von Captain Willard kopfüber auf. Der brennende Urwald und die Helicopter ziehen über sein Gesicht. In den weiteren Überblendungen kommt auch ein Götzenbild ins Bild. Gespenstisch beleuchtet durch die flackernden Feuer, starrt es ungerührt durch die Zeiten:"...Desperately in need of some stranger's hand, in a desperate land."




So kam Jim Morrison in mein Leben. Als archäologischer Fund einer sagenhaften Kultur. Er wurde neben Byron, Rimbaud und Konsorten zum Archetyp eines romantischen Freiheitsidols, dem erst durch das Scheitern die höchste Weihe zuteil wird.

Vielleicht wurden wir von dem Mythos rund um Jim Morrison etwas abgelenkt, vielleicht wollten wir auch nur spielen, wie es sein könnte, wenn wir uns nichts scheißen. Auf alle Fälle wachten wir einige Male auf der anderen Seite auf und begegneten der Kehrseite der Medaille. Es soll jetzt keiner sagen, er habe uns nicht gewarnt!

Er wußte auch, dass die Sommer immer vorbei sind.


Montag, 3. Juni 2013

Change becomes us - Wire


"Change becomes us"... yes, indeed! Was Wire gelingt, scheint dem Universe of Hybris Projekt schlecht zu bekommen. Im Grunde eine normale, unserer Zeit geschuldete Entwicklung. Genau dagegen haben UoH versucht sich zu stemmen.
Wenn den "Lebensentwürfen" die Luft ausgeht, dann gibt es nur mehr den Rückzug. Die Tonnen sind voll von Entwürfen, da kommt es nicht auf einen weiteren an. Ohne Häme! Wenn es dir noch nicht selbst passiert ist, dann schau dich mal um. Wenn du nicht einige Leute kennst, die mit ihrem Zeug an die Wand gefahren sind, dann lebst du auf dem Mond.
Sicher, es passiert lautlos, kein Geschrei und Gezeter. Schlaffe, zusammengefallene Mehlsäcke. Verwertbar nur mehr für Statistiken und Ämter.
Oh ja! Wir wissen es eh! Genau darum strengen wir uns ja an. Wer strauchelt holt sich "Coaching". "Gelassenheit" ist die Ideologie Priviligierter.
OK... und Pop hat uns nicht davor gefeit. Hat es nicht geschafft, uns zu solidarisieren oder uns zu bilden, um Einsicht in die Bedingungen zu kriegen. Im Gegenteil,  Pop ist Teil der "Verschleierung".
Na und? Das wussten wir auch schon vorher. War du mal 10 Jahre nach Woodstock auf einem Folkfestival, hä, da ist mit Ernüchterung nur der Glaube an die Hoffnung gemeint.
Aber Pop kann auch anders. Und Wire ist dafür ein schönes Beispiel. Auf ihrem Debut "Pink Flag"



von 1977, erschienen am Höhepunkt der ersten Punk-Welle, sind sie eigentlich schon Post-Punk.

Ein besonders schönes Beispiel ist diese
in dunkle Atmosphäre getauchte Warnung auf "Pink Flag":

Strange

There's something strange going on tonight
Something going on that's not quite right
Joey's nervous and the lights are bright
There's something going on that's not quite right

There's something going down that wasn't here before
Keep your eyes glued to the floor
No one's gonna save your life
Something strange is going on tonight

Strange by Wire on Grooveshark

Wie sollst du auch benennen können, was diese Unheimlichkeit ausmacht? Im grellen Licht mit all den anderen, Gleichgesinnte, die nichts bemerken, bist du plötzlich allein und weißt, dass dich keiner rettet: Paranoid, heißt es bei den anderen. Vereinzelt, heißt es bei Marx. Individualisiert, heißt es als Programm.
Übrigens, diesen Song coverten R.E.M auf ihrer "Document".

Unter Einfluß des "Situationismus" ( waren damals auch fast alle ) weigerten sich Wire bei Live-Auftritten bekanntes Album-Material zu spielen. Sie improvisierten, oder spielten neues Material, dass wiederum auf den Alben nicht auftauchte.

Ihr situationistischer Gestus, niemals die Erwartungshaltungen eines Publikums zu erfüllen, erinnert mich gerade an die ausgebrannten Pink Floyd, Ende der 80iger, als sie in den Stadien Pappendeckel-Saurier auf Stahlseilen rutschen ließen, um so die Illusion des Fliegens zu erzeugen. Meiner Seel! Bin mir jetzt nicht mehr sicher, ob die Floyds damals eh die Warenform situationistisch aufsprengen wollten. Mir wurde auf alle Fälle der Unterschied zwischen Tausch- und Gebrauchswert klar!

Obwohl auf ihren Alben immer wieder massentaugliche Songs waren, gelang Wire nie der wirkliche Durchbruch. Sie waren vor allem eine Band für den Pop-Journalismus, die unter dem Branding "Art-Punk" Wire vor Kommerzialisierung schützte.
Was ist schlecht an Mainstream? Verbirgt sich dahinter der alte Bildungsdünkel? Heißt erfolgreich sein gleich konformistisch, ideenlos, ausgelutscht? Die Fragen stellten sich mir, als ich das 2011 veröffentlichte Album "Red Barked Tree" von Wire hörte ( ich hörte es erst 2012 ).

Lange nicht mehr an sie gedacht und aus den Augen verloren, war ich sofort wie elektrifiziert, als ich den Eingangssong hörte:

Please Take

Please take your knife
Out of my back!
And, when you do
Please don't twist it!
I felt the stab in my blind side
A poisoned blade to paralyse
A cosh of cash, a net of drink
To anodise, no longer think, so
Please take your knife
Out of my back!
And when you do
Please don't twist it!

Fuck off out of my face
You take up too much space
Move! You're blocking my view
I've seen far too much of you

Please take your knife
Out of my back!
And, when you do
Please don't twist it!
I won't hear another word
Another sugared lie
I won't be a part of your
Latest alibi, so,
Please take your knife
Out of my back!
And when you do
Please don't twist it!

Please Take by Wire on Grooveshark

So kann es auch gesagt werden. Intelligent, an der Oberfläche voll von möglichen Analogien und mit einem anbiedernden "Alternative-Rock-Outfit". Ein grandioses Album und beruhigend, dass Wire das Handtuch nicht geworfen haben. Keine Bitterkeit, kein Zynismus, keine Sentimentalitäten. Im Gegenteil, sie sind geordnet und klar. Völlig bewußt über das was und wer sie sind.
Das Cover ist ein Ausschnitt aus einem Werk vom Arte povera Künstler Jannis Kounellis.


Die Arte Povera verwendet für ihre Werke ausschließlich "arme", alltägliche Materialien: Holz, Stein, Glas, Stoff, Fäden, Erde. Im fertigen Kunstwerk ist die Gewöhnlichkeit der Materialen nicht mehr vorhanden. Sie sind alchimistisch umgewandelt. Das haben Wire auch mit diesem Album geschafft.
Mein Favorit:

Adapt

The tide is high, sandbag your street!
Converging, swelling channels meet
The torrent roars, banks are breached
Stay calm, be cool, a part at least

The brakes are on, controlled retreat
Quick-go-slowly, heart valve weak
Fairness flounders, sincere cheats
Disgraced champions, taste defeat

Beware the timely statement leak...
The trigger is the price of meat
Barricade your first floor doors
Evacuate your sick and poor

Be larger picture, stronger, deep
Be good, be bad, be more, elite...
A prince of bread, a pint of peace
In Middle Earth, in Middle East

Go east, go north, go south, go west
Leave mouths open, with your best
Adapt to change, stay unimpressed
Adopt: 'Chekov', to family crest

Adapt by Wire on Grooveshark

...und nun kam im März dieses Jahres "Change becomes us" raus.

Altes Material gesichtet und auf das Jetzt ausgerichtet. Alle Songs sind so sorgsam und überlegt ausgewählt und neu aufgenommen, dass es eine Freude ist.

B/W Silence

I’m mourning the passing of a moment, in black and white silence
Uneasily, I slept
I cannot accept your tears as an answer
Or is this an excuse for your selfishness?

I came, it was so... I wanted to go
I came, it was so... I wanted to go

Irrational in the extreme, it makes such perfect sense
Lost in a moment, cold without regret
Was this an excuse for my selfishness?

I came, it was so... I wanted to go
I came, it was so... I wanted to go



Nun, es ist spät. Wir wissen wie es weitergeht. Trotzdem freut es mich, dass ich Wire auch aus reanimierenden Gründen in diesem Blog in Erinnerung rufe. Möglicherweise ist es auch nur Ausdruck meiner "selfishness".

Donnerstag, 14. Februar 2013

New York 1976 - 2013

Im Jahr 1976 versprachen sich Tony und Chick einen Aufenthalt in New York. Mit Handschlag ... und "Schwör-Ritual" ...  und " Feige-Sau-Schmach ". Sie waren bereit und angetreten, in unserer Zeit und unserer Welt das Grosse zu holen. Big Apple! Bars und Musik. Chelsea Hotel und die Clinton Street, Central Park, Halli-Galli und ein Urvertrauen in ihren Möglichkeiten. 
2013. Tony fliegt nach New York. 9 Stunden Flug. Er wird den Atlantik überqueren. Dafür hat er unseren Respekt. 37 Jahre akribische Vorbereitung im Sinne Reinhold Messner's. Er wird es sein, der die Flagge des "Universe of Hybris" in den New Yorker Boden rammen wird. Er wird die ersten Nachrichten aus der mythischen Stadt versenden. Er wird die Stadt erforschen und Eindrücke und Ideen sammeln, um das Universe zu unterrichten.
Wir, die zurückbleiben mussten, grüssen dich und wünschen dir eine erlebnisreiche Reise.
Good Luck, Tony!

Montag, 31. Dezember 2012

Mit Danger Mouse´s Rome in die Welt der Italo-Western

 Mouse spielte dieses Album mit Daniel Luppi in einem römischen Studio von Ennio Morricone ein. Unterstützt wurden sie von Musikern, die an den Soundtracks für die Italo-Western beteiligt waren. Verwendet wurde ausschließlich Vintage-Equipment, also Analog-Zeugs. Die Arbeit an dem Album dauerte 5 Jahre. Beim Hören von "Rome" tauchst du unweigerlich in die Welt der Italo-Western ab.  Mit dabei ist Norah Jones und Jack White. Schon beim Intro: "Theme of Rome" wachsen dir dunkle Schweißflecken in den Achselhöhlen und der ewige "Drei-Tages-Bart".

Danger Mouse & Daniel Luppi - Rome
Der Italo-Western hat in der Welt von Universe of Hybris einen hohen Stellenwert. Allein dadurch, dass er dem Western-Genre einen harten Schlag versetzte, weil er alle moralischen Parameter aushebelte und für ihn ein Sub-Genre eingerichtet werden mußte. 




Vulgär, trivial, aufdringliche Filmmusik, explizite Gewalt, Blut, Dreck, Nihilismus, krasse Bildmontagen. Der Italo-Western räumte auf mit einem tradierten Wertesystem und holt uns ab in der Phantasie die "...Dinge selbst regeln zu können!". Kein Mitleid, keine Gnade! Silence stirbt, weil er Prinzipien hat. Sergio Corbucci´s Meisterwerk: Leichen pflastern seinen Weg. Leone´s Dollar-Trilogie, Django, Keoma, Ringo, Sabata, Sartana, Once upon a time in the west, usw.

Der Western hat wieder Saison. Nach den Coen-Brüder mit "True Grit" zieht auch Quentin Tarantino mit "Django Unchained" nach. Bei Tarantino fragt man sich eh, warum er mit einem Spaghetti-Western so lange warten ließ. Sind doch seine bisherigen Filme mit Anleihen vollgeräumt. Auf alle Fälle kommt Freude auf, soll doch dieser Film 3 Stunden dauern.

Also, wie sagt Keoma so schön: "Die Welt ist schlecht!"

Und hier ein wunderschöner Song aus Rome:

 Season's Trees (feat. Norah Jones) by Danger Mouse & Daniele Luppi on Grooveshark



Geeshie Wiley - Last Kind Words Blues

Es war eine Radiosendung. John Jeremiah Sullivan wurde mit seinem Buch "Pulphead" vorgestellt. Sullivan hat in seinem Buch die Einzigartigkeit und Besonderheit dieses Songs hervorgehoben. Um zu überprüfen, ob er richtig liegt, wurde er sogleich gespielt.
Dann hörte ich den "Last Kind Words Blues" von Geeshie Wiley. Ich war ergriffen und glotzte vor mich hin. Dieser Blues greift sich richtig an. Es knistert die Tonaufnahme, du verstehst den Text nicht wirklich, es ist irgendwie traurig.


Und dann taucht dieser Gedanke auf, dass es der beste Blues-Song ist, den du je gehört hast...und das sagt jetzt einmal noch gar nichts. Denn, Blues in dieser reinen, puren Form, schlechte Aufnahme, knisternd, auf einer 78er Schellack, gehört nicht gerade zu meiner bevorzugten Musik.

Ich schätze Blues nur im Elektrogitarren plus Verstärker Milieu, wie den "Roadhouse Blues" von den Doors, direkt aus dem Munde Jim Morrison´s:

Jim Morrison von den Doors


"...Well, I woke up this morning, I got myself a beer

Well, I woke up this morning, and I got myself a beer

The future's uncertain, and the end is always near..."



Ja, hier geht das Herz auf, aber:

Diese Zeile (Well, I woke up this morning, I got myself a beer) ist eigentlich von Alice Cooper, und Robby Krieger spielt gar nicht das Gitarrensolo, sondern ein Label-Gitarrist von Elektra mit Namen Lonnie Mack, der auf der Platte als Bassist angegeben wurde, um Robby Krieger nicht zu kompromitieren. Alter Fuchs!





Jedenfalls mußte ich mir sofort "Pulphead" von John Jeremiah Sullivan besorgen. In der Geschichte um den "Last Kind Words Blues" tauchen die Plattensammler und ihre unorthodoxen Methoden im Auffinden der begehrten Schellaks auf. Diesen Sammlern - durchgehend männlich und weiß - ist es zu verdanken, dass viele Platten aus der Zeit "Before the Blues" zusammengetragen und restauriert wurden. Die Geschichte einer Schellak, die von einem Flohmarkt erworben wurde und sich in der prallen Sonne "...wie eine Suppenschüssel" aufgebogen hatte und vom Sammler zwischen zwei Glasplatten, wiederum in der Sonne, in Form gebracht wurde, und somit der Nachwelt als einziges Zeugnis eines Musikers erhalten blieb, bringt den positiven Effekt dieser mit "Oral History" angereicherten Sammlerfreunde auf den Punkt.
Die unsympathische Seite zeigt sich im Falle Robert Johnson´s. Hier fand ein Sammler die Halbschwester von Johnson und sicherte sich gleich alle Verwertungsrechte.

Robert Johnson mit Tschik


Robert Johnson mit ohne Tschik auf einer Briefmarke der USA











Minimale Unterschiede im Arrangement, nur dem Connaisseur zugänglich, zeichnen die Entwicklung und möglichen Einflüße im Blues nach. Auch hier wird gecovert auf Teufel komm raus. Von einer Kennerschaft weit entfernt, gestehe ich, dass für mich die Unterschiede im Sub-Sub-Bereich meiner Wahrnehmung liegen. Für mich käut der Blues ein immergleiches Schema wieder und wieder.

Wie auch immer. Geeshie Wiley nimmt im März 1930 in Grafton, Wisconsin, bei Paramount Records eine Platte auf. Die Lieder heißen: Last Kind Word Blues und Skinny Leg Blues. Mit dabei, als zweite Gitarristin, ist Elvie Thomas.
Von Geeshie Wiley ist so gut wie nichts bekannt. Alles was es von ihr gibt sind Vermutungen. Möglicherweise arbeitete sie in einer Medicine Show. Könnte sein, dass sie aus Natchez, Mississipi, kommt. Immerhin, denn über Elvie Tomas gibt es nicht einmal Vermutungen.

The last kind word I heard my daddy say
Lord the last kind word I heard my daddy say
If I die, if I die in the German War
I want you to send my body, send it to my mother-in-law
If I get killed, if I get killed, please don't bury my soul
I (p'fer) just leave me out, let the buzzards eat me whole

Beruhigt stellte ich nebenbei fest, dass es auch für "native speakers" nicht immer klar ist, was hier überhaupt gesungen wird. Passagen werden hier mit "mögliche Interpretation" oder "nicht gesicherte Übertragung" beschrieben.

Mein Freund Tony ist ein Blues-Freund seit ich ihn kenne. Immer wieder ist er bemüht mir den Blues schmackhaft zu machen. Mit geringem Erfolg. Ein Reunion-Treffen von "Universe of Hybris", vorige Woche, sollte mir dazu dienen, mit Wiley aufzutrumpfen.
Die Wiedersehensfreude war aber so groß, dass ich erst nach einigen Bieren die Sprache auf mein Blues-Erlebnis lenken konnte. Zu spät. Nachdem ich großmäulig den "größten Blues-Song ever" ankündigte, fiel mir weder der Name von Geeshie Wiley ein, noch der Titel. Ich kramte in der breiigen Gehirnmasse herum und kam auf die absurdesten Namen: "Weegie Twiley", "Weelie Geeshie", naja, und so weiter. Neue Erkenntnis: Alkohol ist auch nicht nur gut.
Ich kratzte die Kurve mit der Ankündigung, dass ich sie in unserem Blog vorstellen werde und auch den Song bereitstelle. Tony spielte auch gleich aus seinem Blues-Repertoire wunderbare Blueses von Zeppelin, Stones und Gallagher. Natürlich war auch Robert Johnson dabei.

So, und hier der "Last Kind Word Blues":

 Last Kind Words Blues by Geeshie Wiley on Grooveshark